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Interskriptum

Unendliche Weiten

Nachrichten aus der Chemie, Mai 2023, Seite 71, DOI, PDF. Login für Volltextzugriff.

Von Wiley-VCH zur Verfügung gestellt

Wem sagen Captain Link Ringelschwanz und der geheimnisvolle Dr. Julius Speckschwarte etwas? Wenn ich noch Miss Piggy erwähne – dann sehen wir sie vor uns: die Schweine im Weltall. Diese legendäre Sketchreihe innerhalb der ebenso legendären Muppet Show war eine Persiflage auf die Serien der weltraumbegeisterten Generation, die mit den Mondmissionen der 1960er Jahre aufgewachsen war. Bizarr-liebenswerte popkulturelle Machwerke – die heute eher wohligen Retrogrusel hervorrufen – wie Raumpatrouille Orion oder Raumschiff Enterprise zeugen von dieser Epoche.

Auch heute noch ist der Weltraum eine feste Bank, etwa für populärwissenschaftliche Magazine. Wer die einschlägigen Titel betrachtet, kann sich kaum retten vor Covern irgendwelcher Spiralnebel, explodierender Sterne und Galaxien, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Und das mit dem „nie gesehen“ wird so bleiben, denn die wunderbar kolorierten Weltraumbilder sind – nun ja – zumeist ein klitzekleinwenig bearbeitet. Für Menschen unsichtbare Wellenlängen im Ultravioletten und im Infraroten werden da gerne mal ins Farbspektrum des sichtbaren Bereichs hineingestaucht, sieht halt einfach besser aus als einfach nur: schwarz.

Nicht nur weil Chemikerinnen das wissen, bleiben wir relativ unbeeindruckt vom Raumfahrthype, unsere Identität ist eben bodenständig – wir lassen den Weltraum den Physikern und den Ingenieuren sowieso. Themen wie Moleküle im Weltall und chemische Reaktionen unter extremen Bedingungen etwa in Sternen – so spannend sie auch sind – gelten eher als Exoten (auch wenn wir das mit diesem Schlaglichtheft zur Astrochemie gerne ändern wollen). Wie fragte ein geschätzter Professor meiner lieben Alma Mater, als in einer Doktorverteidigung der Prüfling – theoretischer Chemiker wie ich – fragile Moleküle vorstellte, die er mit ausgefeiltesten Methoden von vorne bis hinten und von oben bis unten berechnet hatte: „Ist vorstellbar, dass Ihr Molekül auch irgendwo existiert?“ (Eine typische Frage an Theoretiker, die gleichwohl stets Augenrollen hervorruft.) Auf die Antwort „Im interstellaren Raum!“, meinte der Prof nur: „Das ist mir zu weit draußen.“

Für den Down-to-earth-Ansatz der Chemie haben wir sogar einen prominenten Fürsprecher, den Geophysiker und Astronauten Alexander Gerst. Unser einzigartiger blauer Heimatplanet sei der wirklich besondere Ort im Weltraum – der Rest „schwarz, öde und lebensfeindlich“. Wobei, so ganz will Weltraumerklärer Gerst das dann doch nicht stehen lassen: „Es gibt viele interessante Objekte dort draußen, die es sehr wert sind, von uns gründlich erforscht zu werden.“ Und da ist bestimmt auch was Chemisches dabei.

Im Interskriptum schreibt Nachrichten-Chefredakteur Christian Remenyi über Chemisches und Komisches – und was sich sonst noch so im Zettelkasten der Redaktion findet. nachrichten@gdch.de

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