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Chemists4Future: Chemie grüner machen

Von Wiley-VCH zur Verfügung gestellt

Die Fridays-for-Future- und die daraus hervorgegangene Scientists-for-Future-Bewegung waren das Vorbild für die Chemists for Future. Ihr Ziel: Nachhaltigkeit im Chemiestudium verankern.

In der Chemie interessiert uns, wie aus einem Ausgangsstoff ein Zielstoff entsteht, typischerweise in einer Reihe chemischer Reaktionen. Diese Auffassung prägt die Sichtweise der Chemie; sie ist eine lineare Wissenschaft. Genauso funktioniert unsere gesamte Stoffwirtschaft, Energieversorgung und Lebensweise: Wir wirtschaften und leben linear, ohne an das Danach zu denken.

Der Verbrauch organischer Lösungsmittel, die Gewinnung seltener Metalle, die Produktion und Entsorgung großer Mengen an Chemiemüll oder die Freisetzung von Chemikalien in die Umwelt durch die chemische Industrie erzeugen Belastungen. Nachhaltigere Alternativen gibt es; teilweise seit Jahrzehnten. Allerdings finden diese Alternativen nur schleppend ihren Weg in die Lehre. Die meisten Universitäten behandeln Green Chemistry so gut wie gar nicht. Dies ist fatal, weil die Hochschulen das Personal ausbilden, das alle Bereiche der chemischen Industrie lenken wird.

Ein Netzwerk

Mehr Green Chemistry an den Hochschulen wird automatisch einen Effekt auf sämtliche Arbeitsbereiche haben. Dies ist nur mit einem Netzwerk engagierter Chemiker:innen zu bewältigen, die eine Vision einer nachhaltigen Chemiebranche haben.

Um so ein Netzwerk aufzubauen, schlossen sich Chemiker:innen zu Chemists for Future zusammen. Vorbild waren die Students for Future, die einmal pro Semester deutschlandweit Klimabildung an Schulen und Hochschulen bringen.

Die Autoren dieses Beitrags Sebastian Seiffert (Mitte), Universität Mainz, Daniel Bothe (links) und Istemi Kuzu, beide Universität Marburg, trafen sich im Herbst 2020 am Rande eines Onlinemeetings der Public Climate School. In der Folge gründeten sie die Chemists for Future; Vorbilder: Fridays for Future, Students for Future, Scientists for Future.

Chemists for Future wollen ein Netzwerk aufbauen, das sich aus sämtlichen Akteuren aus der Chemie zusammensetzt: Studierende, Promovierende, Professorinnen und Professoren sowie Experten und Expertinnen aus der Industrie – alle sollen sich daran beteiligen können, um gemeinsam etwas zu bewegen.

Es existieren bereits Initiativen, die sich um Nachhaltigkeit in der Chemie bemühen, nicht zuletzt die GDCh-Fachgruppe Nachhaltige Chemie. Chemists for Future sollen daher keine Dopplung sein, sondern eine Ergänzung.

Eine Onlinevorlesung für alle

Das erste Projekt der Chemists for Future soll sein, Nachhaltigkeit in der universitären Chemieausbildung zu verankern. Dafür sollen Expertinnen und Experten aus dem deutschsprachigen Raum zusammengebracht werden. Das Ziel ist eine Onlinevorlesung, die über die Plattform Youtube allen frei zugänglich ist. Es gibt bereits Beiträge, etwa solche, die die Begriffe Sustainable Chemistry und Green Chemistry schärfen, Beiträge zu Green Chemistry Metrics, zur Thermodynamik des Klimawandels, zur Synthesechemie mit Licht und weitere. Zu den Mitwirkende gehören Markus Antonietti, der am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam unter anderem chemische CO₂-Senken erforscht, Michael Meier, der sich am Karlsruher Institut für Technologie Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen widmet, und Klaus Kümmerer, der an der Universität Lüneburg nachhaltige Chemie lehrt.

Ausschnitt aus Markus Antoniettis Chemists-for-Future-Vorlesung über die physikalische Chemie des Klimawandels.

Im Zusammenwirken führen alle Beiträge auf eine Kernfrage zurück: Wie gestalten wir die Chemie für die Zukunft? Und wie gestalten wir durch sie die Zukunft?

Videos für das Masterstudium

Inzwischen ist ein erster Satz Vorlesungsvideos aufgezeichnet und steht auf Youtube im Kanal der Chemists for Future zur Verfügung (bit.ly/c4f-youtube).

Das nächste Ziel ist, eine Orts- oder Regionalgruppenstruktur aufzubauen. So wollen die Akteure an Standorten, an denen die lokalen Studienordnungen es erlauben, über die akademischen Gremien erreichen, dass die Onlinevorlesung mit ECTS-Punkten bewertet und in das Masterstudium eingebracht werden kann.

Es werden im Laufe der Zeit weitere Vorlesungsvideos hinzukommen. Alle, die Ideen für weitere Beiträge und Themen haben, sind eingeladen, diese vorzuschlagen oder am besten selbst beizusteuern, etwa in dem Format wie die Beiträge, die bereits online sind.

Denn bei den Chemists for Future können alle mitmachen – um Nachhaltigkeit in der Chemie zu einer Bewegung zu machen.

contact@chemists4future.org

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