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Nachruf
Hans‐Friedrich Grützmacher (1932 – 2025)
Von Wiley-VCH zur Verfügung gestellt
Hans-Friedrich Grützmacher war ursprünglich Naturstoffanalytiker und wurde zu einem der Gründerväter der Arbeitsgemeinschaft Massenspektrometrie in der GDCh.
Hans-Friedrich Arthur Grützmacher wurde am 4. April 1932 in Hamburg geboren. Seine frühe Jugend erlebte er in den Bezirken Altona und Wandsbek und ab Sommer 1943 in Boizenburg/Elbe, von wo aus er die Zerstörung seiner Heimatstadt beobachten musste. Erst 1948 siedelte er aus der sowjetischen Besatzungszone zurück nach Hamburg. Nach dem Abitur 1950 am Hamburger Matthias-Claudius-Gymnasium studierte er Chemie an der Universität Göttingen und an der Universität Hamburg, wo er 1959 bei Kurt Heyns promoviert wurde. Im Jahr 1965 habilitierte er sich mit der Arbeit „Die Massenspektren von acetylierten Peptiden und ihre Verwendung zur Bestimmung der Aminosäuresequenz“. 1973 wurde er zum Wissenschaftlichen Rat und Professor ernannt; die Ernennung zum Professor H3 lehnte er ab. Stattdessen nahm er den Ruf auf den Lehrstuhl Organische Chemie I an der 1969 gegründeten Universität Bielefeld an, den er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1997 innehatte.
Früh lernte Hans Grützmacher, unter Einschränkungen Chemie zu studieren. Oft erzählte er von seiner Studien- und Promotionszeit unter der Ägide Kurt Heyns‘ in der Außenstelle des Hamburger Instituts, der Villa Tannenhöft bei Ahrensburg. Vorlesungen und Seminare besuchte er in der Innenstadt, aber zu den experimentellen Arbeiten fuhr man in der Bahn mitsamt Feinchemikalien und Versuchsvorschriften 30 km hinaus nach Tannenhöft. Dabei entstanden intensive Kameradschaft und Gemeinschaftsgeist. Die menschliche Prägung aus dieser Zeit machte ihn zu einer herausragenden Persönlichkeit im Hamburger Fachbereich der auch wissenschaftspolitisch aufgeregten Nach-1968er-Jahre. 1972 wurde er zum Sprecher des Fachbereichs Chemie gewählt. Am Ruf im Jahr 1973 nach Bielefeld reizte ihn besonders der Aufbau einer neuen Universität „auf der grünen Wiese“. Ein Kreis schloss sich: Nachdem er mit seinen aus Hamburg mitgebrachten Mitarbeitern drei Jahre lang provisorisch bei der Firma Dr. August Oetker und bei den Verhaltensforschern untergebracht war, führten Grützmacher und seine Kollegen die 1975 gegründete Fakultät zum Erfolg. Bereits 1974 übernahm er das Amt des Prorektors für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Universität.
Kurt Heyns betrieb bereits seit 1957 das erste in einem deutschen Universitätsinstitut aufgestellte Massenspektrometer. Grützmacher wurde so als Doktorand einer der ersten Organiker, der Peptide mit Elektronenionisations-Massenspektrometrie (EI-MS) untersuchte - ein Feld, das Jahrzehnte später durch alternative Ionisierungsmethoden revolutioniert werden sollte. Inspiriert durch die Arbeiten von Sir Christopher Ingold, Fred McLafferty und Seymour Meyerson untersuchte er mit Massenspektrometrie die Eigenschaften gasförmiger Moleküle und Ionen – auch unter Vorschalten der Vakuumpyrolyse. So entwickelte er sich vom anwendungsbezogenen Naturstoffanalytiker zum begeisterten Grundlagenforscher. Er kombinierte die Synthese von Modellverbindungen mit massenspektrometrischen Methoden und verstand so die unimolekulare und später auch bimolekulare Reaktivität isolierter Ionen – und damit auch die Entstehung von Massenspektren.
Grützmacher war einer der Gründerväter der im Jahre 1960 gegründeten Arbeitsgemeinschaft Massenspektrometrie (AGMS). Er war Mitbegründer und europäischer Herausgeber der Zeitschrift Organic Mass Spectrometry, Mitbegründer und Chairman des European Journal of Mass Spectrometry sowie Träger der Ehrenmedaille der Deutschen Gesellschaft für Massenspektrometrie (DGMS).
Hans Grützmacher verband Tiefe und Breite naturwissenschaftlichen Denkens und Arbeitens; dies prägte seine zahlreichen Doktoranden und viele Gastwissenschaftler. Er war stets ein väterlicher Mentor, Inspirator und Förderer – und er blieb zeitlebens ein Freund des Nordens und der Meere. Sein liebstes Hobby, das Segeln, brachte ihn und seine Frau an viele Gestade der Ostsee. Nach seiner Abschiedsvorlesung sangen ihm die Mitarbeiter seiner Arbeitsgruppe – als Matrosen kostümiert – ein Ständchen über die Freuden im Labor, die Herausforderungen der Forschung und die liebenswürdigen Eigenarten ihres Kapitäns, frei nach dem Evergreen „Heimweh – Schön war die Zeit!“. Noch im Juli 2024 traf er bei einem Wiedersehen viele seiner ehemaligen Mitarbeiter. Sie alle werden ihn in dankbarer Erinnerung behalten.
Dietmar Kuck, Bielefeld
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