Gesellschaft Deutscher Chemiker

Der Wirtschaftschemiker

Zwischen Krise und Wandel

Nachrichten aus der Chemie, Juni 2026, Seite 51, DOI, PDF. Login für Volltextzugriff.

Von Wiley-VCH zur Verfügung gestellt

Europas Reaktion auf Energiekrisen folgt inzwischen einem vertrauten Muster: Quellen diversifizieren, Preise dämpfen, Stabilisierung abwarten. So war es in der Corona-Pandemie und nachdem Russland die Ukraine angegriffen hat – und so ist es nun während der Eskalation im Nahen Osten. Europa hat Abhängigkeiten reduziert, neue Lieferketten aufgebaut und Verbraucher:innen finanziell entlastet. Gleichzeitig hat sich der Stromsektor bereits verändert: Strom wird zunehmend mit erneuerbaren Energien und Kernkraft erzeugt statt aus fossilen Energieträgern. Der Anteil fossiler Energieträger an der Stromproduktion ist von 50 Prozent im Jahr 2005 auf 30 Prozent im Jahr 2024 gefallen.

Doch dieser Fortschritt verdeckt ein grundlegendes Problem: Strom macht nur rund ein Viertel des europäischen Energieverbrauchs aus. Der Rest verteilt sich auf Industrie, Verkehr und Gebäude, die abhängig von fossilen Energieträgern bleiben – und damit vom Import. Der Anteil fossiler Energieträger lag im Verkehr beispielsweise im Jahr 2005 bei 95 Prozent und 2024 bei 90 Prozent. Erdöl und -gas kommen in Europa weiterhin zu mindestens 90 Prozent aus dem Ausland, nur die Lieferländer haben sich geändert. Ei

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