Gesellschaft Deutscher Chemiker

GDCh-Wissenschaftsforum Chemie 2023

WiFo 2023: Der Dienstag

Der zweite Konferenztag auf dem WiFo begann mit dem Plenarsymposium „Rethinking Chemistry – Concepts“. Professor Leroy ‚Lee‘ Cronin, Universität Glasgow /UK, Dr. Sarah Fakih, CureVac AG, Tübingen, und Professor Dr. Peter R. Schreiner, Justus-Liebig-Universität Gießen, präsentierten, wie Konzepte für „Rethinking Chemistry“ aussehen können.

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Professor Leroy ‚Lee‘ Cronin (Foto: Christian Augustin)
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Dr. Sarah Fakih (Foto: Christian Augustin)
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Professor Dr. Peter R. Schreiner (Foto: Christian Augustin)
Direkt im Anschluss wurde es wieder feierlich: Die GDCh zeichnete Professor Dr. Rainer Herges, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, mit der Adolf-von-Baeyer-Denkmünze aus. Der Chemiker erhielt den Preis für die Qualität, Originalität und die große Bandbreite seiner Arbeiten zur organischen Chemie.
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Professor Dr. Rainer Herges erhielt die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze (Foto: Christian Augustin)

Am Vormittag des zweiten Tages beim Wissenschaftsforum Chemie standen bei der Fachgruppe Makromolekulare Chemie Materialien für die Energiewende im Blickpunkt. Dominic Bresser vom Helmholtz-Institut Ulm (HIU) stellte den Status Quo und die nächsten Entwicklungsstufen bei den für die Elektromobilität wichtigen Lithium-Ionen-Batterien vor. Die Umstellung auf Lithium-Metall-Batterien würde eine weitere Steigerung der Energiedichte ermöglichen. Natrium-Ionen-Batterien versprechen eine kostengünstige Alternative, in der Energiedichte und Reichweite können sie mit Lithium-Ionen-Batterien aber noch nicht konkurrieren. Aus seiner Sicht werden Lithium-Ionen-Batterien vermutlich in den nächsten zehn bis 15 Jahren die Energiespeichertechnologie der Wahl für tragbare Elektronik und Elektrofahrzeuge bleiben. Weitere Vorträge in dieser Session behandelten Polyurethanharze für Komposite in Windrädern sowie die Kreislaufwirtschaft in der nachhaltigen Materialentwicklung.

Spannend wurde es beim Karrieretag der Fachgruppe „Chemiker im öffentlichen Dienst“. Im öffentlichen Dienst werden keineswegs nur Akten gewälzt und Vorschriften kontrolliert. Es bieten sich für Chemikerinnen und Chemiker vielmehr spannende Aufgabenfelder etwa bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), als Abteilungsleiterin Chemie im Deutschen Museum München oder bei der Bundeswehr, die Jobs für Arbeitsschutz und Chemikaliensicherheit anbieten. Auch eine Kläranlage kann ein abwechslungsreiches Arbeitsumfeld bieten. Franziska Luschtinetz zeigte den vielseitigen Arbeitsalltag einer Chemikerin in einer Kläranlage in Kassel. „Ja, es stinkt, aber man gewöhnt sich daran“, sagte sie. Neben 7500 Proben pro Jahr und 50.000 Analysen bietet der „Tatort Klo“ auch außergewöhnliche Fälle von Wasserverunreinigungen. So tauchten in der Kläranlage einmal 20 Kilogramm Quecksilber quasi aus dem Nichts im Abwasser auf. Erst nach langen Recherchen wurde eine ehemalige Fabrik für Munitionsvernichtung in Kassel ausfindig gemacht, die vor rund 100 Jahren Knallquecksilber entsorgte. Das lagerte lange ruhig im Abwasserkanal, bis jemand mal (unwissend) richtig durchspülte und für Quecksilberalarm sorgte.

Interessante Vorträge boten die Arbeitsgruppen Fluorchemie und Phosphorchemie in einer gemeinsamen Vormittagssession zum Schwerpunkt „Nachhaltigkeit: Nachhaltige Anwendungen von P/F/PF-Verbindungen“. Unter anderem ging es um Pentafluorophosphate als zelldurchlässige Biomimetika mit starken fluorspezifischen Proteinwechselwirkungen sowie um Difluormethylierungen für die medizinische Bildgebung und schnell einsetzbare, leichte Materialien für die Luft- und Raumfahrtindustrie (Perfluorpyridine). Die Fachgruppe Festkörperchemie und Materialchemie zeigte Highlights wie chemische Bindungen in intermetallischen Verbindungen und Nanomaterialien für die Wirkstoffabgabe in Medikamenten. Interessant waren hier vor allem neue Einblicke in die komplexe Struktur von mRNA-beladenen Lipid-Nanopartikeln (LNP). Die mRNA (etwa bei den Covid-Impfstoffen) ist sehr empfindlich im Körper und braucht einen Trägerstoff. Deswegen muss man die mRNA mit Lipid-Nanomolekülen umhüllen, um sie solange zu schützen, bis sie an ihrem Wirkungsort im Körper angekommen sind. Gezeigt wurde, wie sich die Strukturen von ungeladenen und mRNA-beladenen LNP unterscheiden und somit identifiziert werden können. Die Fachgruppe Chemie und Energie informierte in Vorträgen unter anderem über umweltfreundliche Quantenmaterialien für solargesteuerte Wasserstoffproduktion, über die Herausforderungen beim Upscaling einer Elektrolyse vom Labormaßstab in die industrielle Nutzung und über die Chemie der Nanokohlenstoffe für Energieanwendungen.

Das Motto „Rethinking Chemistry“ hält auch Einzug in den Chemieunterricht, in Kombination mit Klimawandel und Klimaschutz. Dies wurde in der Nachmittagssession der Fachgruppe Chemieunterricht deutlich. Vorgestellt wurde eine Schülerlaboreinheit zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) der Bergischen Universität Wuppertal, um den Schülerinnen und Schülern Wege aus der Klimakrise zu zeigen. Dabei werden der Klimawandel in seiner Komplexität unter ökologisch-ökonomisch-sozialen-naturwissenschaftlichen Gesichtspunkten sowie die anthropogenen Ursachen experimentell und mehrdimensional betrachtet und bewertet. Block 1 der Laboreinheit thematisiert den Treibhauseffekt, Block 2 die Stickstoffemissionen aus Autos, Block 3 die CO2-Speicherung nach dem Carbon Capture Storage-Verfahren und Block 4 das Photoreforming zur Erzeugung von Wasserstoff, das anschließend durch eine Knallgasreaktion nachgewiesen wird. Die Laboreinheit will einen Impuls zur BNE-Förderung im Fach Chemie setzen.

“Molecules of Life - Molecules in Life” hieß die gemeinsame Session der Fachgruppen Biochemie, Liebig-Vereinigung und Chemische Biologie. Auch das Ziegler-Symposium war eine Kooperation, nämlich der beiden großen Fachgruppen Wöhler- und Liebig-Vereinigung. „Chemie trifft Kunst“ hieß die Session der Seniorexperten Chemie, in der es unter anderem um Wilhelm Ostwald und die berühmte Himmelsscheibe von Nebra ging.

Das JungChemikerForum wählte im Finale der nationalen Three Minute Thesis die besten Vorträge aus und bei den Chemikern im öffentlichen Dienst wurde engagiert über Grenzwerte diskutiert.

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Prof. Dr. Tanja Gulder erhielt den Publikationspreis Fluorchemie (Foto: Christian Augustin)

Auch am Dienstag vergaben einige GDCh-Fachgruppen ihre Preise:

-         Prof. Dr. Tanja Gulder, Universität Leipzig, erhielt den Publikationspreis Fluorchemie der GDCh-Arbeitsgemeinschaft Fluorchemie.

-         Die GDCh-Fachgruppe Biochemie zeichnete Dr. Jan Felber und Dr. Wout Oosterheert mit dem Förderpreis Biochemie 2023 aus.

-         Die GDCh-Fachgruppe Computer in der Chemie zeichnete Dr. Janosch Menke, Münster, mit dem CIC-Förderpreis für Computational Chemistry Ph.D. und M.Sc. Anne Germann, Düsseldorf, mit dem CIC-Förderpreis für Computational Chemistry M.Sc. aus.

Am Abend unterzeichnete die GDCh ein Kooperationsabkommen mit dem Royal Australian Chemical Institute (RACI) und erneuerte ihr Abkommen mit der Royal Society of Chemistry (RSC). An der Zeremonie nahmen auch Präsidentinnen und Präsidenten mehrerer befreundeter Gesellschaften teil.

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(Foto: Christian Augustin)

Nach Abschluss des Programms ließ man den Abend auf der Science Party in Auerbachs Keller bei einem gemeinsamen Essen und guten Gesprächen ausklingen.

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(Foto: Christian Augustin)

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