Gesellschaft Deutscher Chemiker

Meinungsbeitrag

Rethinking PFAS – Wissenschaft ist die Basis

Nachrichten aus der Chemie, Juni 2026, Seite 3, DOI, PDF. Login für Volltextzugriff.

Von Wiley-VCH zur Verfügung gestellt

Ein Leitartikel von Markus Große Ophoff und Sebastian Hasenstab-Riedel

Die Diskussion um per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) ist von hoher Dynamik geprägt. Auf der einen Seite stehen vielfältige Anwendungen, auf der anderen erhebliche Umweltprobleme und Altlasten. Seit dem Regulierungsvorschlag der europäischen Chemikalienagentur Echa im Jahr 2023 hat sich die Debatte weiter intensiviert.

In der GDCh sind unterschiedliche Perspektiven vertreten: aus Behörden, die den Vorschlag erarbeitet haben, sowie aus Wissenschaft und Industrie. Der interne Diskurs wird im Thinktank PFAS gebündelt, der dem fachlichen Austausch dient, und seit diesem Jahr durch eine vom Vorstand eingesetzte PFAS-Kommission ergänzt, die die externe Positionierung verantwortet.

Im Thinktank arbeiten mehr als sieben Fachgruppen und Arbeitsgemeinschaften aus der Analytischen Chemie, Fluorchemie, Lebensmittelchemie, Makromolekularen Chemie, Umweltchemie & Ökotoxikologie sowie Wasserchemie zusammen. Die Bandbreite der Disziplinen verdeutlicht die unterschiedlichen Bewertungsansätze innerhalb der GDCh. Gerade hierin liegt eine Stärke: die Fähigkeit, divergierende Sichtweisen auf wissenschaftlicher Grundlage zusammenzuführen.

Ein wichtiger Impuls war eine zweitägige PFAS-Tagung in Berlin [Nachr. Chem. 2025, 73(7–8), 84]. Erfolgsrezept war es, durch Vorschläge aus dem gesamten Thinktank unterschiedliche Beiträge einzubinden und sich auf konkrete fachliche Fakten zu konzentrieren.

Inhaltlich zeigt sich die Ambivalenz der PFAS deutlich: Die außerordentlich stabile Kohlenstoff-Fluor-Bindung ermöglicht unter anderem Materialien, die temperatur- und chemikalienbeständig sowie wasser- und ölabweisend sind. Gleichzeitig führt diese Stabilität dazu, dass PFAS in der Umwelt kaum abgebaut werden. Negative Umweltwirkungen werden oft erst spät sichtbar. Ein Beispiel ist Trifluoressigsäure, die aus etlichen PFAS entsteht und in dieser Ausgabe der Nachrichten ab Seite 36 näher behandelt wird.

Diese Ambivalenz erfordert differenzierte Strategien. Besonders dringlich ist es, umweltoffene Anwendungen im Consumer-Bereich zu reduzieren, etwa bei Kältemitteln, Textilmembranen oder Imprägnierstoffen. Hier sind bereits Alternativen verfügbar.

In anderen Bereichen braucht es fundierte Bewertungen und technische Innovationen. Förderprogramme, um PFAS-Alternativen zu entwickeln und die Analytik zu verbessern, sind zentral.

Die GDCh bietet den Rahmen, PFAS-Bewertungen und -Alternativen auf wissenschaftlicher Grundlage zu diskutieren. Dabei ist es notwendig, unterschiedliche Positionen auszuhalten und konstruktiv einzubinden. Die GDCh kann hier Brücken bauen. Verschiedene fachliche und berufliche Hintergründe wertzuschätzen ist dafür die Voraussetzung.

So kann die GDCh wertvolle Hinweise in den aktuellen politischen Diskurs einbringen. Alternative Regulierungskonzepte oder pointierte Lobbyarbeit sollte man aber nicht erwarten. Kernkompetenz der GDCh ist es, Zukunftskonzepte für nachhaltige Chemikalien und entsprechende Forschung voranzubringen. Das Leitmotiv „Rethinking Chemistry“ kann Orientierung geben und zu Lösungsansätzen im Umgang mit PFAS beitragen.

Hon.-Prof. Markus Große Ophoff (links), Hochschule Osnabrück, und Prof. Sebastian Hasenstab-Riedel, FU Berlin, sind Ansprechpartner des GDCh-Thinktanks PFAS.https://eu-central-1.graphassets.com/Aype6X9u2QGewIgZKbFflz/cmr056rjwa1cs07t8w91t3icfhttps://eu-central-1.graphassets.com/Aype6X9u2QGewIgZKbFflz/cmr056uoaa1dj07t833s2pq7d

Leitartikel

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