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Nachhaltigkeitsziele: Treibhausgasemissionen senken

Von Wiley-VCH zur Verfügung gestellt

Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung nennt Bayer als zentrale Elemente der Konzernstrategie und Konzernwerte. Ein Beispiel ist der Klimaschutz in der Wirkstoffproduktion.

Im Jahr 2020 implementierte Bayer eine neue Nachhaltigkeitsstrategie, mit der der Konzern sich soziale und ökologische Ziele setzt. Diese richten sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen aus (Sustainable Development Goals, SDGs). In diesem Text geht es vor allem um das Ziel 13 „Maßnahmen zum Klimaschutz“ in der Wirkstoffproduktion.

Ohne geeignete Gegenmaßnahmen werden die Temperaturen weltweit um deutlich mehr als zwei Grad Celsius steigen. Das gefährdet die Ökosysteme der Erde, die Gesundheit von Menschen, Pflanzen und Tieren und die Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung.

An Klimazielen festhalten

Bayer ergreift Maßnahmen, um die Treibhausgasemissionen innerhalb des Unternehmens und entlang der Wertschöpfungskette gemäß den Anforderungen des Pariser Abkommens zu senken. Der Konzern hält an dem anspruchsvollsten Klimaziel – dem 1,5-Grad-Ziel – fest und hat sich der Science Based Targets Initiative angeschlossen,1) die im Sommer 2020 die Klimaziele von Bayer bestätigt hat.

Darüber hinaus strebt Bayer an, bis spätestens zum Jahr 2050 eine Netto-Treibhausgasemission von Null in der gesamten Wertschöpfungskette zu erreichen. Um die Emissionen durch Energieeffizienzmaßnahmen absolut zu senken, will der Konzern bis zum Jahr 2030 etwa 500 Millionen Euro investieren. Das Geld ist für Prozessinnovationen, effizientere Anlagen und Gebäudetechnik sowie neue und optimierte Energiemanagementsysteme vor allem an den Produktionsstandorten vorgesehen.

Um umweltfreundliche Techniken zu unterstützen, hat Bayer intern einen CO2-Preis von 100 Euro pro Tonne CO2 eingeführt. Zum Vergleich: Bund und Länder einigten sich im Dezember 2019 darauf, den CO2-Preis ab Januar 2021 auf zunächst 25 Euro pro Tonne festzulegen. Danach soll der Preis schrittweise auf bis zu 55 Euro im Jahr 2025 steigen. Für das Jahr 2026 soll ein Preiskorridor von mindestens 55 und höchstens 65 Euro gelten. Der Preis von 100 Euro bei Bayer fließt bei allen Neuinvestitionen in die Kalkulation ein und fördert so umweltfreundlichere, aber in der Investition vielleicht teurere Techniken.

Alle Geschäftsbereiche des Leverkusener Unternehmens bringen sich in die Ziele der Vereinten Nationen ein – darunter die weltweite pharmazeutische Wirkstoffproduktion mit 3500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie hat Standorte in Bergkamen, im spanischen La Felguera, im mexikanischen Proquina und in Wuppertal. Dazu kommt die Mikronisierung in Berlin, wo die Wirkstoffe für Medikamente vermahlen werden.

Konkrete Wege zum Klimaschutz

Der Konzern möchte spätestens im Jahr 2030 weltweit 100 Prozent des eingekauften Stroms aus erneuerbaren Quellen beziehen. Da dieser Strom ohne den Ausstoß von Treibhausgasen gewonnen wird, ermöglicht seine Verwendung eine absolute Reduktion der eigenen Treibhausgasemissionen. Dabei setzt Bayer vor allem auf langfristige Stromabnahmeverträge mit möglichst standortnahen Energieerzeugern.

Jeder der Standorte innerhalb der Wirkstoffproduktion trägt dazu bei, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Nachhaltigkeit. Der Konzern will klimaneutral agieren – das schließt alle Produktionsstandorte ein. Dies ist vielleicht eine der größten Herausforderungen.

Das Netzwerk nutzt unterschiedliche Techniken, um Energie aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen. Es gibt keinen Ansatz, der sich für alle Standorte gleich gut eignet. Die Auswahl hängt von den lokalen Märkten und Ressourcen ab: etwa Strom aus Solarenergie in Spanien, Windenergie in Mexiko, Wärme aus Abfallverbrennung in Wuppertal und Recycling in Bergkamen.

Standorte der pharmazeutischen Wirkstoffproduktion von Bayer (v.l.): die spanische Produktion in La Felguera, gefolgt vom mexikanischen Standort Proquina
und die Standorte in Wuppertal mit der Abfallverbrennungsanlage sowie Bergkamen mit der Iodrückgewinnung. Fotos: Bayer

Strom aus Sonne und Wind

In La Felguera ist einer der Bayer-Produktionsstandorte in Spanien. Den gesamten Strombedarf aller spanischen Standorte bezieht der Konzern aus erneuerbaren Quellen. Dafür hat Bayer einen langfristigen Stromabnahmevertrag mit einem spanischen Unternehmen unterzeichnet.

Dies wird dafür sorgen, dass Bayer ab dem Jahr 2022 seinen Strombedarf in Spanien aus Photovoltaikanlagen erhält. Bis dahin sieht die Vereinbarung einen Überbrückungsvertrag vor, in dessen Rahmen Bayer den Strom ohne Emissionen und mit Herkunftsnachweisen verbraucht. Darüber hinaus analysieren die Leverkusener ihre Produktionsanlagen kontinuierlich, um sie effizienter und ressourcenschonender zu gestalten.

Die Vereinbarung zwischen Energieerzeuger und Bayer ist ein Schritt in Richtung Netto-Null-Emission und unterstreicht die Ankündigung, weltweit einen emissionsneutralen Fußabdruck zu erreichen.

Beide Unternehmen haben ebenfalls einen Stromabnahmevertrag in Mexiko abgeschlossen. Im Rahmen dieses langfristigen Stromversorgungsvertrags bezieht der Konzern Energie aus einem Onshore-Windpark (105 MW) im Bundesstaat Guanajuato. Über dieses Abkommen werden in Mexiko vier Standorte mit 23 Betrieben mit Strom versorgt.

Wärme aus Müllverbrennung

Nachdem im Jahr 2018 das Kohlekraftwerk der Stadt Wuppertal vom Netz genommen wurde, stellte Bayer die Wärmeversorgung dort zu fast 100 Prozent auf Energie aus erneuerbaren Quellen um und bezieht Wärme seitdem fast vollständig aus dem Wuppertaler Müllheizkraftwerk. Mit dieser Maßnahme kann der Konzern jährlich etwa 30 000 Tonnen CO2 sparen. Lediglich chemische Abgase müssen weiterhin mit Erdgas verbrannt werden, um die Auflagen des Immissionsschutzes zu erfüllen.

Recycling von Wert- und Abfallströmen und die energetische Nutzung von Reststoffabfällen tragen dazu bei, Treibhausgasmengen zu mindern. Die thermische Entsorgung der Abfallstoffe dient der Energie- und Wärmeerzeugung. Einen besonders großen Beitrag zur Minderung der Treibhausgasemissionen liefert das Müllheizkraftwerk, da sich beim Verbrennen der Abfälle kein Methan bildet, anders als bei der Deponielagerung.

Zwei neue Gasmotoren im Bayer-Werk an der Wupper unterstützen bei Lastspitzen die Stromversorgung des Standorts mit selbst produziertem Strom. Die Gasmotoren laufen nur dann, wenn es notwendig ist, die öffentlichen Netze zu entlasten.

Diese Überbrückungsaggregate gewährleisten die Netzstabilität. Zudem verhindert die netzdienliche Fahrweise das Anfahren weiterer Kraftwerke, weshalb die Bundesnetzagentur Gebührennachlässe gewährt. Die Entscheidung für Gasmotoren folgt ökologischen und ökonomischen Aspekten: Gas ist ein emissionsarmer Brennstoff, sicher in der Versorgung und erzeugt keine Lagerkosten.

Systematisches Abfallmanagement hält Materialverbräuche und Entsorgungsmengen auf einem möglichst geringen Niveau. Abfalltrennung, sichere Entsorgungswege und ökonomisch sinnvolle Recyclingverfahren tragen dazu bei.

Entsprechend der Konzernregelungen sind alle Produktionsstandorte verpflichtet, Abfälle zu vermeiden, zu recyceln, zu reduzieren sowie sicher und umweltgerecht zu entsorgen. Jeder Standort verfügt über ein eigenes Abfallkataster.

Iodrecycling in Bergkamen

In Bergkamen schont stoffbezogenes Recycling Ressourcen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellen unter anderem Wirkstoffe für Röntgenkontrastmittel her. Ein zentrales Element hierbei ist Iod. Um möglichst sparsam mit Iod umzugehen, verfügt der Produktionsbetrieb seit seiner Inbetriebnahme in den 1990er Jahren über eine Anlage, die Iod zurückgewinnt. Deren Leistung ist seither mehrfach gestiegen.

Abwasserströme und Produktionsnebenprodukte mit einem ausreichend hohen Iodgehalt entsorgen die Beschäftigten in einem darauf ausgerichteten Drehrohrofen. Der entstehende Dampf geht in ein technisches Iodrecycling.

Ein Abgaswaschprozess fängt das Iod auf. Aufgrund der Qualitätsanforderungen in der Pharmasparte lässt sich dieses wiedergewonnene Iod nicht in dieser Produktion einsetzen. Der Konzern verkauft es und führt es so dem Iodkreislauf für technische Zwecke zu. Mit dem direkten Iod-Wiedergewinnen im Betrieb und dem Aufbereiten der Abwasserströme sowie Nebenprodukte lässt sich der größte Teil Iod und iodhaltiger Verbindungen wiederverwenden.

Zusätzlich nimmt der Konzern im Kontrastmittel-Rückgewinnungsprogramm re:contrast Kontrastmittelreste von Kunden auf, um Iod zurückzugewinnen. Diese Prozesse sorgen nicht nur dafür, Kontrastmittelreste ordnungsgemäß zu entsorgen, sondern helfen auch dabei, die Menge des der Erde entnommenen Iods zu verringern. So lassen sich Ökosysteme wie die Atacama-Wüste erhalten, wo ein chilenischer Konzern Iod aus künstlich angelegten Soleseen gewinnt.

Mit der Vision „Health for all, Hunger for none“ verpflichtet sich Bayer, die Bedürfnisse der wachsenden Bevölkerung zu adressieren und dabei die Grenzen des Planeten zu beachten.

Der Autor

Der promovierte Chemiker Timo Fleßner leitet die pharmazeutische Wirtstoffproduktion bei Bayer weltweit. Er verantwortet damit Standorte in Bergkamen, Berlin-Charlottenburg, Wuppertal, Proquina (Mexiko) und La Felguera (Spanien). Zudem ist er seit dem Jahr 2016 im Vorstand der GDCh und seit 2020 Schatzmeister im Präsidium.

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