Gesellschaft Deutscher Chemiker

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Forschungspraktika in der Fremde

Nachrichten aus der Chemie, September 2026, S. 24-25, DOI, PDF. Login für Volltextzugriff.

Von Wiley-VCH zur Verfügung gestellt

Mikroplastik im Kandy Lake in Sri Lanka analysieren, in Australien zu antimikrobiellen Wirkstoffen auf Eisenbasis forschen oder wasserhaltige Carbonatgesteine in Freiberg erkunden – mit Rise Germany und Rise Weltweit wagen junge Bachelorstudierende den Sprung ins Ausland.

Die eigene Komfortzone verlassen, fremde Sprachen und Kulturen kennenlernen und erfahren, wie Forschen in der Fremde funktioniert, können Anfang Zwanzigjährige in einem Sommerpraktikum über das Programm Rise.

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Christoph Schadt von der Universität Freiburg forscht diesen Sommer in Sri Lanka mit Rise Weltweit. Er sagt: „Wegen unterschiedlicher Finanzierungsmöglichkeiten unterscheidet sich die Art der Forschung von Land zu Land. In Sri Lanka bestimmen wir zum Beispiel den gelösten Sauerstoffgehalt durch Titration, in Deutschland wäre das sicherlich automatisiert.“ Foto: Christoph Schadt / Rise Weltweit

Rise steht für Research Internships in Science and Engineering und ist ein Stipendienprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD). Jeden Sommer unterstützen über 600 Praktikantinnen und Praktikanten im Rahmen von Rise bis zu drei Monate lang Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in Deutschland und weltweit. Die Anbietenden der Praktika sind zugleich Mentoren und Mentorinnen – für die Forschung und darüber hinaus.

Sich auf Neues einlassen

Erfahrungsberichte von Rise-Praktikanten und Praktikantinnen zeigen: Ein kurzer intensiver Aufenthalt in einem fremden Land schafft neue Netzwerke und ermöglicht Einblicke in andere wissenschaftliche Wege. Unbekannte Kommunikationsstile, andere Arbeitsweisen, Sicherheitsvorgaben und Abläufe im Labor als im Heimatland fordern und fördern die Teilnehmenden dabei, Unterschiede auszuhalten, Missverständnisse zu klären, sich auf Ungewohntes einzulassen.

Kurze Austauschprogramme des DAAD mit Aufenthalten bis zu drei Monaten sind sehr gefragt. Rise Germany, das Forschungspraktika für nordamerikanische, britische und irische Studierende in Deutschland anbietet, erlebte im Jahr 2026 einen regelrechten Ansturm: mehr als 3100 Bewerbungen für 350 Stipendienplätze. Das waren 26 Prozent mehr als im Jahr 2025 mit 2500 Bewerbungen.

Auch Rise Weltweit, das internationale Praktika für Studierende aus Deutschland vermittelt, verzeichnet einen Anstieg: Im Jahr 2025 bewarben sich 514 Bachelorstudierende, für dieses Jahr dann 566. Der Anstieg fiel mit 10 Prozent etwas moderater aus, ist aber dennoch beachtlich angesichts der vielen Krisen weltweit. Ein Grund dafür ist sicherlich das niedrigschwellige Angebot.

Die Praktika lassen sich nach Interesse auswählen, sie passen in das Studium, denn sie finden in den langen Semesterferien statt, und nach Absprache mit der Heimat- und Gasthochschule ist oft eine Anerkennung von Credits oder sogar eines Pflichtpraktikums möglich. Arbeitssprache ist Englisch, und alle Teilnehmenden – Praktikumsanbietende sowie Praktikantinnen und Praktikanten – werden organisatorisch vom DAAD unterstützt.

Sicherheit

Finanzielle Sicherheit in der Fremde ist wichtig. Die Stipendien tragen dazu bei – mit monatlichen Stipendienzahlungen, Übernahme von Reisekosten und Versicherungen. Die Kosten dafür tragen das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) sowie das Auswärtige Amt; ein Teil des Geldes kommt zudem aus Drittmitteln.

Im Rise-Germany-Programm, das aus Mitteln des Auswärtigen Amts finanziert wird, stammen etwa 50 Prozent aus Drittmitteln. Seit dem Jahr 2005 fördert etwa der Fonds der Chemischen Industrie (FCI) jährlich 30 Chemieprojekte, die GDCh kümmert sich dabei um die Antragsstellung; eine zeitweilige Partnerschaft mit der American Chemical Society endete mangels Förderung durch die National Science Foundation.

Derzeit verschärfen geopolitische Spannungen und strengere Visa-Regeln den internationalen Austausch. Die Anforderungen zu Datensicherheit, Exportkontrolle und Dual-Use-Abfragen steigen. So sollen beispielsweise Praktikumsanbietende in Deutschland prüfen, ob es bei ihrem Angebot mögliche Gefahren des rüstungsrelevanten Technologie- und Wissenstransfers im Sinne der gesetzlichen Regelungen gibt.

Schwierig sind besonders Visaprobleme bei kurzfristigen Praktika. Weil der DAAD weltweit gut vernetzt ist und langjährige Erfahrung mit Auslandsaufenthalten hat, lassen sich im Rise-Programm die neuen Anforderungen trotzdem gut bewältigen.

Internationale Kooperation im Studium motiviert viele, später erneut und länger ins Ausland zu gehen und Netzwerke auch in schwierigen Zeiten zu pflegen. Der DAAD bietet dafür verschiedene Stipendien, etwa das Rise-Professional-Programm mit Forschungspraktika für Masterstudierende und Promovierende in Unternehmen in Deutschland.

Kommunizieren in der Fremde

Meridee Ritzer, Rise-Germany-Praktikantin und Stipendiatin des Fonds der Chemischen Industrie (FCI), ist von der Clemson University aus den Südstaaten der USA für ein Forschungspraktikum in die Geochemie der TU Bergakademie Freiberg gegangen. Betreut wird sie von Leonie Gabler. Wichtige Themen im internationalen Austausch sind Sprache und Kommunikation. Meridee Ritzer sagt darüber: „Meine größte Herausforderung beim Forschen in der Fremde ist die Sprachbarriere. In einem Land zu leben, dessen Sprache man nicht beherrscht, stellt einen täglich vor neue Herausforderungen, etwa an der Selbstscanner-Kasse im Supermarkt, wo alle Hinweise nur auf Deutsch sind.

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Meridee Ritzer (Rise Germany und FCI-Stipendiatin 2026) unterstützt diesen Sommer die Doktorandin Leonie Gabler von der TU Bergakademie Freiberg. Foto: Meridee Ritzer / Rise Germany

Der einzige Ort in Freiberg, an dem ich keine Probleme mit der Verständigung habe, ist die Abteilung für Hydrogeologie und Hydrochemie an der TU Bergakademie Freiberg, wo ich das Forschungspraktikum mache. Ich arbeite in einer Abteilung mit Menschen aus aller Welt, daher ist Englisch hier Arbeitssprache.“

Doch trotz der gemeinsamen Wissenschaftssprache erkannte Meridee Ritzer schnell, dass sich der Kommunikationsstil in Deutschland von dem im Süden der USA unterscheidet. Sie meint: „Amerikaner aus dem Süden neigen dazu, viele blumige Formulierungen und Höflichkeitsfloskeln zu verwenden, bevor sie auf den Punkt kommen. Aus diesem Grund war es ein ziemlicher Schock für mich, als mir bewusst wurde, wie direkt die Deutschen sind. Wenn jemand etwas will, fragt er danach. Wenn man eine Frage stellt, antwortet man ehrlich. Der Schwerpunkt liegt auf Effizienz.“

Obwohl ihr der direkte Kommunikationsstil anfangs schwerfiel, empfand sie ihn schließlich als bereichernden Teil ihrer Erfahrungen in Deutschland. Die Zusammenarbeit mit Menschen mit diversen Hintergründen und aus verschiedenen Fachbereichen habe sie als Wissenschaftlerin und als Person weitergebracht, findet sie: „Unsere verschiedenen Herangehensweisen und Erklärungen stärken die Forschung, weil wir Probleme aus vielen Perspektiven betrachten. Ich habe gelernt, dass Wissenschaft eine gemeinsame Sprache sein kann, die uns verbindet, auch wenn wir vielleicht nicht dieselbe Sprache sprechen oder denselben Kommunikationsstil haben. Um es etwas kitschig auszudrücken: Ich habe durch unsere gemeinsame Leidenschaft für die Forschung eine tiefe Verbindung zu meinen Kollegen aufgebaut, und sie haben mir gezeigt, wie wertvoll es sein kann, die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten.“

Michaela Gottschling, Teamleitung Rise-Programm des DAAD, Nordamerika-Referat. gottschling@daad.de

INFO: Bewerben für Rise

Haben Sie Interesse, im Sommer 2027 eine Forschungspraktikantin oder einen Forschungspraktikanten in Ihrer Arbeitsgruppe aufzunehmen? Dann stellen Sie ein Praktikumsangebot in die Datenbank ein: www.daad.de/rise.

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