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Nachrichten aus der Chemie, Februar 2026, Seite 21, DOI, PDF. Login für Volltextzugriff.

Von Wiley-VCH zur Verfügung gestellt

Ich war anderthalb Jahre in meinem Postdoc, als ich realisierte: Wir stecken in einer Sackgasse. Wir wollten eine molekulare Maschine herstellen, ein supramolekulares System, das selbst eine Synthese durchführt. Doch sogar kleinere Testsysteme benötigten schon 15 bis 20 präparative Schritte. Und sobald wir genügend Material für Tests beisammen hatten, war die Enttäuschung groß – die molekulare Maschine funktionierte nicht.

Ich hatte das Gefühl, dass sich etwas Grundlegendes ändern musste. Daher ging ich heim und dachte nach, las und dachte weiter nach. Nach drei Tagen fernab des Labors fand ich zwei Publikationen in Journalen, welche mich normalerweise nicht interessierten. Sie zeigten mir: Unsere Maschine lief in die falsche Richtung! Das führte zu einer labilen Zwischenstufe in der Reaktionssequenz. Wir mussten die Maschine also schlicht so designen, dass sie umgekehrt lief.

Wäre mein Betreuer ein Mikromanager gewesen, hätte diese Erkenntnis länger gedauert. Aber mein Betreuer vertraute seinem Team und zwang uns deswegen nicht, jeden Tag ins Labor zu kommen. Das war der entscheidende Erfolgsfaktor des Projekts. Am Institut hätte ich nicht die Ruhe gefunden, mich ta

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