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Ansichten zweier Preisträger: Peter H. Seeberger, Herbert Waldmann

Von Wiley-VCH zur Verfügung gestellt

Aller Anfang ist schwer: Die neue Rubrik „Ansichten eines Preisträgers“ erschien erstmals im Juli/August-Heft der Nachrichten. Und prompt ging etwas schief: Die Antworten Peter H. Seebergers waren dem Fragebogen Herbert Waldmanns zugeordnet …

Damit aber ein für alle mal klar ist, wer was und wie gesagt hat: Hier die beiden Preisträger im direkten Duell!

Beide Preisträger erhielten (pandemiebedingt etwas verspätet) auf dem virtuellen GDCh-Wissenschaftsforum im August ihre Auszeichnungen: Peter H. Seeberger die Emil-Fischer-Medaille 2020. Mit dieser nach dem Nobelpreisträger benannten Ehrung zeichnet die GDCh herausragende Leistungen in der organischen Chemie aus. Herbert Waldmann wurde beim Wifo mit der Liebig-Denkmünze 2020 geehrt. Diese vergibt die GDCh seit 1950 an bedeutende universitäre und industrielle Wissenschaftler. Beide Preise sind mit 7500 Euro dotiert.

Peter H. Seebergers größtes Privileg als Wissenschaftler ist es, …

als Max-Planck-Direktor an Themen und mit Leuten zu arbeiten, die ich mir aussuche.

Die größte Überraschung meiner Forscherkarriere war, …

als tatsächlich das erste automatisiert hergestellte Oligosaccharid aus der HPLC-Säule kam.

Ich habe Chemie studiert, weil …

ich neue, vorher nicht gekannte Moleküle schaffen wollte, um reale Probleme zu lösen.

Verraten Sie uns das Geheimnis des größten Erfolgs Ihrer Forscherkarriere?

Volle Konzentration auf ein Problem für fast zwei Jahrzehnte zusammen mit sehr talentierten jungen Kolleginnen und Kollegen, dazu großes Durchhaltevermögen.

Eine Begabung, die ich gerne hätte, ist …

Chinesisch sprechen und lesen zu können.

Der ideale Morgen sieht für mich so aus:

Ich wache wieder auf.

Der beste Ratschlag, den ich bekommen habe, lautet:

„Work, finish, publish“ von Har Gobind Khorana (er zitierte damit Michael Faraday).

Wenn ich für einen Tag jemand anders sein könnte, wäre ich …

Archäologe.

Meine besten Ideen kommen mir beim …

Autofahren (darf man das überhaupt noch sagen?).

In einer freien Stunde …

schlafe ich.

In den Nachrichten aus der Chemie lese ich immer als erstes …

die chemiehistorischen Artikel.

Wenn ich einen Tag mit dem Namensgeber meines Preises verbringen könnte, würde ich …

mich mit ihm über Zuckerchemie unterhalten – was sonst?

Peter H. Seeberger, Jahrgang 1966, leitet die Abteilung Biomolekulare Systeme am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung. Neben der automatischen Synthese komplexer Zucker entwickelt er kontinuierliche Synthesemethoden zur Totalsynthese von Wirkstoffen. Zudem beschäftigt er sich mit Signalübertragung, Materialeigenschaften von Zuckern und Immunologie.

Herbert Waldmanns größtes Privileg als Wissenschaftler ist es, …

frei zu sein, mich mit den Fragen, Herausforderungen und Aufgaben zu beschäftigen, die mich am meisten interessieren.

Die größte Überraschung meiner Forscherkarriere war, …

dass sich Chemiker:innen und Biolog:innen in Bezug auf Risikofreudigkeit und auch wissenschaftlicher Konservativität gegenseitig in nichts nachstehen, aber sehr unterschiedliche persönliche und wissenschaftliche Kulturen pflegen. Bei den Einen trage ich bevorzugt meinen „Chemie-Anzug“ (normaler Anzug, Hemd, auch gerne Krawatte) und bei den Anderen meinen „Biologie-Anzug“ (Jeans, T-Shirt, Leinenjacke).

Ich habe Chemie studiert, weil …

ich das Glück hatte, im Gymnasium einen begeisternden Chemielehrer zu haben, der mein bereits bestehendes Interesse gestärkt und die Faszination für das Fach in mir geweckt hat. Ich hätte auch Biologe werden können (derselbe Lehrer hat mich auch in Biologie unterrichtet), habe aber dann nie auch nur eine Vorlesungsstunde zu einem biologischen Fach gehört.

Verraten Sie uns das Geheimnis des größten Erfolgs Ihrer Forscherkarriere?

Mit der intellektuellen Leichtfüßigkeit des Rheinländers ausgestattet war ich als junger Hochschullehrer mutig genug, mich in eine Wissenschaft – die Biologie – zu wagen, von der ich damals kaum Verständnis hatte, und dabei große Fragen zu stellen. Ich bin mir dann immer auch als organischer Chemiker treu geblieben und habe mich nicht vom Urteil Anderer abhängig gemacht. Mit dieser Grundhaltung habe ich ein Team aus Chemiker:innen, Biolog:innen, Pharmazeut:innen und Cheminformatiker:innen gebaut, das in Chemie, Biologie und Wirkstoffforschung neue Prinzipien formulieren und neue Erkenntnisse gewinnen konnte. Wichtig war, dass ich gelernt habe, wie man für alle Beteiligten (sowohl akademische wie industrielle Partner) gewinnbringend und vertrauensvoll kooperiert, was in der Biologie üblich ist, in der Chemie aber sehr viel weniger.

Eine Begabung, die ich gerne hätte, ist …

mathematische Zusammenhänge intuitiv zu erfassen, etwa die „Form von Datensätzen“ bildlich sehen zu können.

Der ideale Morgen sieht für mich so aus:

Gut geschlafen, guter Sport, gutes Frühstück mit meiner Frau, gute Idee, gute Arbeit.

Der beste Ratschlag, den ich bekommen habe, lautet:

dass man als Wissenschaftler:in eigene Ideen haben muss, großen Fragen nachgehen und davor keine Angst haben sollte. Hart arbeiten kann Jede:r.

Wenn ich für einen Tag jemand anders sein könnte, wäre ich …

Weiß ich nicht. Ich habe dieses Bedürfnis nie gehabt. Ich bin mir des Glücks bewusst, dass ich genau den Weg gehen konnte, den ich gehen wollte.

Meine besten Ideen kommen mir …

zu den unterschiedlichsten Zeiten und an den unterschiedlichsten Orten. Es muss nicht einmal ruhig oder entspannt sein, manchmal ist Druck förderlich. Oft muss ich mit einem Problem nur lange genug schwanger gehen und etwas vollkommen Anderes lesen oder hören, mich also von dem Problem mehr oder weniger lösen, um eine Querverbindung herzustellen, die in ein neues Projekt mündet.

In einer freien Stunde …

mache ich nichts, gar nichts (unsere Tochter glaubt mir bis heute nicht, dass das geht, ist aber so).

In den Nachrichten aus der Chemie lese ich als erstes …

Synthese im Blickpunkt und die Personalnachrichten.

Wenn ich einen Tag mit dem Namensgeber meines Preises verbringen könnte, würde ich …

mit ihm durch das Gießen und das München des 19ten Jahrhunderts flanieren und mit ihm diskutieren, wie es möglich war, eine wissenschaftliche Breite und Tiefe zu erlangen, die von der Begründung der Agrochemie über die Ernährungswissenschaften zur organischen Chemie reichen.

Herbert Waldmann, Jahrgang 1957, ist Direktor der Abteilung Chemische Biologie am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie und Professor für chemische Biologie an der Universität Dortmund. Mit seiner Arbeitsgruppe entwickelt er Strategien zur Synthese naturstoffinspirierter Substanzbibliotheken, um diese zur Untersuchung biologischer Phänomene zu nutzen.

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