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Sonnenschutz – wenn die Sonne keinen Brand verursacht

Wer heutzutage im Supermarkt vorm Regal mit den Sonnenschutzmitteln steht, hat die Wahl zwischen Lichtschutzfaktor 30, 50 und 50+ und ein paar wenigen Flaschen mit der niedrig anmutenden Zahl 20. Kindersonnenschutzprodukte haben inzwischen grundsätzlich mindestens den Lichtschutzfaktor 50. Kaum zu glauben, dass vor 30 Jahren die üblicherweise angebotenen Lichtschutzfaktoren noch einstellig waren!

Was hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert? Ist die Sonne stärker geworden, ist unser Bewusstsein für die schädlichen Auswirkungen eines Sonnenbrands gewachsen oder sind die Sonnenschutzmittel einfach besser geworden und ermöglichen jetzt höhere Lichtschutzfaktoren? Wahrscheinlich spielen alle drei Gründe eine Rolle.

Was der Lichtschutzfaktor (LSF) bedeutet, ist wohl den meisten Leuten bekannt: Um diesen Faktor erhöht sich die Eigenschutzzeit, die man ohne Sonnenschutz in der Sonne bleiben kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Wer seine individuelle Eigenschutzzeit nicht im Selbstversuch testen möchte, findet im Internet unter den Suchworten „Eigenschutzzeit“ und „Hauttyp“ Durchschnittswerte. Sehr blasse Haut hat z.B. nur eine Eigenschutzzeit von fünf Minuten.

Aber nicht nur der Sonnenbrand ist eine schädliche Auswirkung der Sonne. Er wird durch den sogenannten UV-B-Anteil des Sonnenlichts ausgelöst. UV-B macht uns auch braun, aber kann ebenso zu Hautkrebs führen. Und auch der in früheren Jahren oft vernachlässigte UV-A-Anteil des Sonnenlichts kann Hautkrebs auslösen und lässt die Haut außerdem schneller altern. Sonnenschutzmittel sollten daher auch gegen UV-A-Strahlung schützen, was man an dem entsprechenden Zeichen „UVA“ auf den Flaschen erkennt.

Welche Stoffe in unserer Sonnencreme sorgen nun dafür, dass die UV-Strahlung von unserer Haut abgehalten wird? Dies sind die sogenannten UV-Filter. Sonnenschutzmittel zählen zu den Kosmetika und wie alle Stoffe in Kosmetika müssen auch UV-Filter zugelassen sein. In Europa sind die zugelassenen Stoffe in der Europäischen Kosmetikverordnung genannt.

UV-Filter können anorganische, also mineralische Stoffe, wie Titandioxid und Zinkdioxid oder organische Stoffe sein. Zu letzteren gehören z.B. Octocrylene oder Ethylhexyl Salicylat und viele Stoffe mit noch komplizierteren Namen. Man findet sie in der Inhaltsstoffe-Liste auf der Rückseite der Sonnencremeflasche.

Organische UV-Filter absorbieren die UV-Strahlung, d.h. sie nehmen die Energie der Strahlung in sich auf, so dass sie nicht mehr in die Haut eindringen kann. Meist wird die Strahlung dann in Wärme umgewandelt. Da es sowieso warm ist, wenn wir uns in der Sonne aufhalten, fällt das nicht weiter auf. Die Strahlung kann aber auch dazu führen, dass der organische UV-Filter in mehrere Teile zerbricht. Dann kann der Stoff natürlich keine weitere Energie aufnehmen und die Schutzwirkung ist dahin. Deshalb muss Sonnenschutz immer nachgecremt werden, auch wenn man ihn nicht abgewaschen oder abgerubbelt hat.

Anorganische UV-Filter können das Sonnenlicht zusätzlich reflektieren. Dieser Effekt führte früher dazu, dass die Haut etwas
weißlich aussah, wenn Sonnenschutz aufgetragen wurde. Inzwischen gelingt die Herstellung von anorganischen Nano-Partikeln, bei denen dieser Effekt des "Weißelns" nicht mehr auftritt.

Ein Sonnenmittel enthält meist eine Kombination mehrerer UV-Filter, um UV-B- und UV-A-Bereich abzudecken. Um die Lichtschutzfaktoren eines bestimmten Sonnenschutzproduktes zu bestimmen, wird übrigens ein Test mit künstlicher, definierter UV-Bestrahlung an der Haut von Freiwilligen vorgenommen.

Auch Sonnenschutzmittel haben ein Ablaufdatum: Meist sind auf den Flaschen zwölf Monate nach dem Öffnen angegeben, dargestellt durch das Symbol eines Tiegels, in dem die Anzahl der Monate steht, z.B. „12M“. Nach dieser Zeit sollten die Mittel nicht weiter benutzt, sondern entsorgt werden, da sich u.a. die enthaltenen UV-Filter abbauen können, so dass der Sonnenschutz nicht mehr gewährleistet ist.

Viel Spaß in der Sonne!

Quellen:

1https://www.bvl.bund.de/DE/03_Verbraucherprodukte/02_Verbraucher/03_Kosmetik/06_Sonnenschutzmittel/bgs_kosmetik_sonnenschutzmittel_node.html

2https://www.haut.de/haut/sonnenschutz/lichtschutz-hauttypen/

3Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über kosmetische Mittel

4EMPFEHLUNG DER KOMMISSION vom 22. September 2006 über die Wirksamkeit von Sonnenschutzmitteln und diesbezügliche Herstellerangaben (2006/647/EG)

5https://www.compoundchem.com/2014/06/05/sunscreenchemicals/

6https://www.apotheken-umschau.de/Haut/Wie-lange-haelt-sich-Sonnencreme-224805.html

Wohin auch immer wir uns im Alltag wenden: überall gibt es spannende Wissenschaft und Technik zu entdecken. Das gilt auch für die Chemie. Mit einer Serie von Cartoons "Chemie ist, wenn…" machen wir auf alltägliche chemische Vorgänge aufmerksam. Zu jeder Zeichnung gibt es einen kurzen, allgemein verständlichen Text, der die jeweilige Chemie im Alltag erklärt und einige Links für weitere Informationen. Im Mittelpunkt der Zeichnungen steht unser freundliches Erlenmeyerchen. Die Cartoons werden von der Gruppe "Chemie ist..." entwickelt, einer Arbeitsgemeinschaft der Fachgruppe "Chemie und Gesellschaft". Die Zeichnungen stammen von Maike Hettinger.

Dieser Artikel erschien zuerst auf faszinationchemie.de.

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